Stadtteilrundgang Kartaus – Dreisam (Stadtteil Waldsee – Oberau)

Kartause, copyright: Nils Kickert
Kartause, copyright: Nils Kickert

Dreifaltigkeitskirche – Sportmeile

Bei der Dreifaltigkeitskirche beginnen wir den Rundgang in Richtung Dreisam. Die katholische Kirche wurde von 1952 bis 1953 gebaut und ist nun die Pfarrei für den Stadtteil Waldsee.

Ein Straßenzug weiter an der Schwarzwaldstraße liegt unser erstes Ziel - die ‚Sportmeile’: Östlich, zur rechten Hand, kommt der FT 1844 (Freiburger Turnerschaft e.V.) in Sicht. Der FT wurde, wie im Namen angedeutet, im Jahr 1844 gegründet: Erster Vorsitzender war Karl Hecker (der Bruder von Friedrich Hecker, dem badischen Revolutionär). Karl, Professor an der Universitätsklinik, ernannte man später zum Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik.


Mitbegründer des FT war stud. med. Georg von Langsdorff, bekannt unter dem Spottnamen ‚Münstergeneral’, weil er die Kämpfe der badischen Revolution vom Münsterturm mit einem Fernglas beobachtet hätte. Nach der Niederschlagung der badischen Revolution durch die Preußen verbot das preußische Militär die Turnerschaft als staatsgefährdend. Erst 1860 durfte der FT wieder Sport treiben. Doch der FT 1844 blieb fortschrittlich, die Turnerschaft war der erste Sportverein in Freiburg der Mädchensport 1863 einführte, lange bevor dies (ab 1905) in den Schulen üblich wurde. Auch besaß der Verein 1895 eine Damenabteilung mit über 100 Frauen, einzigartig in Süddeutschland.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der FT erneut aufgelöst, dieses Mal durch die französische Besatzungsmacht, die das Vereinsgelände für sich beanspruchte. 1949 formierte sich der FT wieder unter seinem alten Namen. Für die modernen Ansprüche wurden die Burda- und Schauenberghallen erbaut, heute ist der FT 1844 ein wichtiger Sportverein für Freiburg mit über 6.500 Mitgliedern. Bundesweit führte der FT als erster Sportverein einen Sportkindergarten ein.

 

Wir bewegen uns nun links in westliche Richtung, die Schwarzwaldstraße entlang, zum Olympiastützpunkt, Schwarzwaldstr. 177. Das Gebäude wurde 2004 von den Architekten Harter und Kanzler, angepasst an die bereits existierenden Sportstrukturen, aus Sichtbeton, graphitschwarzen Metallen und Eichenholz erstellt. Sehr futuristisch. Dort werden Nachwuchs- und Spitzensportler fit gemacht. Freiburg besitzt ja olympische Könner, so wie die Ringerlegende Adi Seeger.

Nebenan in der Schwarzwaldstraße Nr. 175 befindet sich das Sportinstitut der Universität Freiburg. Das Gebäude entwarf Professor Alker (von der TH Karlsruhe) im Bauhaustil, das Institut wurde dann Juni 1929 mit einem großen Sportfest eingeweiht. Mitte der 70er erweitert und modernisiert, kam ursprünglich die Initiative dafür durch die Sportaktivitäten der akademischen Fechter und Ringer.

 

Sandfang – Dreisam

Rechts biegen wir nun in Sandfangweg ein, am Ende befindet sich die Sandfangbrücke: Hier wurde Sand aufgefangen. Denn ab dieser Stelle führt eine Abzweigung Dreisamwasser in den Gewerbekanal durch die Oberau und deren früheren Gewerbebetriebe. Davon gab es in der Oberau einige und die Gewerbetreibenden brauchten sauberes Wasser.

In der strömungsberuhigten Zone des ‚Sandfang’ sinken Sand und weitere Schwerteile zu Boden. Auch heute noch wird Sand abgebaggert und einmal im Jahr wird der Gewerbekanal trockengelegt und gereinigt. Der Sand findet als Baumaterial Verwendung. An der Brücke lassen sich gut die Abzweigung und das historische Stellwerk betrachten.

Auf der Höhe des SWR Studios Freiburg, Bach abwärts, leitet eine neue Ableitung Wasser aus dem Gewerbekanal in den Bächle-Kanal, der unterirdisch den Schlossberg entlang bis zum Schwabentor verläuft und aus dem alle Freiburger Altstadt Bächle gespeist werden. Der Bächle-Kanal ist ein historischer Leckerbissen mit beschrifteten Steinen, doch leider nicht für die Öffentlichkeit zugängig. Der Gewerbekanal dagegen verläuft weiter Richtung Westen und zieht sich dann in zwei Strängen durch die Altstadt: In der Fischerau, beim zweiten Stellwerk, trennen sich der südwestliche Teil (der durch die Mehlwaage und Uni fließt) und der nordwestliche Teil (beim Herderverlag einsehbar). Beide Stränge fließen dann außerhalb der Stadt wieder in die Dreisam und dem Rhein entgegen.

 

Hirzberg

Die Kartäuserstraße führt am Sandfang und am Hirzberg vorbei. Der Hirzberg ist ein höchst historischer Punkt: Dort wurde in einem mittelalterlichen Steinbruch Steine für die Stadt Freiburg und für die Bebauung des Schlossbergs (Festungsanlage) gebrochen.

In der Auseinandersetzung um den Südweststaat und Baden-Württemberg erschien, gut gedüngt, das Wort „Südweststaat“ auf dem Hang. In der Basler Zeitung stand dann „Südweststaat aus Mist“. Heute ist der Hirzberg (Hirschberg) nicht nur beliebt bei Spaziergängern, sondern auch für das traditionelle Scheibenschlagen (Schiibeschloge) der Narrenzunft der Fasnetrufer. Am Sonntag nach Aschermittwoch steigen sie den Berg hinauf und entzünden ein großes Fasnetfeuer. Beim Meierhof des Kartäuserklosters befindet sich linker Hand ein Bunker, der heute dazu benützt wird, um dort Pilze zu züchten - der Hirzbergbunker.

 

Kartäuserkloster

Nun geht es weiter Richtung Osten, auf der Nordseite der Dreisam, den Pfad entlang. Der Blick geht hoch zum Kartäuserkloster, heute das internationale ‚United World College’ / UWC (seit 2014). Von den 18 UWC weltweit ist das Robert Bosch - College Freiburg das einzige in Deutschland.

Ab 1346/47 haben sich hier Kartäuser Mönche niedergelassen und unter dem Namen ‚St. Johannis des Täufers Berg’ ein Kloster aufgebaut. Als Stifter wird der Ritter Johannes Snewlin, auch der Gresser genannt und Bürgermeister von Freiburg, angegeben. Anfang des 16. Jahrhunderts bekam die Kartause eine spätgotische Kirche und das Refektorium, im 18. Jahrhundert wurde barockisiert. Gregor Reisch, Professor an der Uni Freiburg, ernannte man zum Prior, er machte das Kloster bekannt. Eine umfangreiche Klosterbibliothek barg Kostbarkeiten. Am 13. Januar 1780 jedoch brannte das Kloster ab und wurde lediglich notdürftig wieder aufgebaut.

„Jene Orden können Gott nicht gefällig sein, die sich nicht mit Krankenpflege und Jugenderziehung beschäftigen, als dem Nächsten ganz und gar unnütz sind“; der Habsburger, Kaiser Joseph II, ordnete 1782 die Auflösung der ‚unnützen’ Kartäuserklöster an. An den Staat gefallen wurde die Kartause veräußert und zu einem privaten Landsitz umgebaut. Außer dem Prioratsgebäude brach man alle übrigen Klosteranlagen ab. 1894 erwarb die Stadt Freiburg die Anlage und aus der Kartause wurde ein Altersheim (1897 bis 2008) der Freiburger Stiftungsverwaltung.

So verbrachte der Pfarrer und Dichter Heinrich Hansjakob ab 1897 seinen Lebensabend in der Kartause. Ein kleines Hansjakob-Museum wurde in zwei Zimmern eingerichtet (existierte bis 2012). Aufgelöst vom UWC beteiligte man sich jedoch finanziell an einer Filmdokumentation über das kleine Museum. Unterhalb der Kartause liegt der Meierhof von 1745, der nun nach langem hin und her instand gesetzt wird – ein schönes historisches Haus. Lehrerwohnungen entstehen nun dort. Daneben befindet sich der Garten der Kartause mit Klosterkräutern, dort weiden auch Schafe.

 

Renaturierung der Dreisam

Ab 2015 begann man mit Maßnahmen zur Renaturierung der Dreisam (als Ausgleich für verbaute Flächen der Stadt). Auf dem Stück zwischen Sandfang und SC Stadion ist gut einsehbar wie sich diese Rückentwicklung entfaltet hat: Die Schnellfließende (so die keltische Übersetzung) erhält ihren Namen erst ab Zarten, dort fließen Höll-, Iben- und Wagensteigbach zur Dreisam zusammen (eine Tafel steht an der Stelle). Ehemals war ihr Flussbeet beträchtlich breiter und Überschwemmungen gefürchtet (deswegen wurden Littenweiler Bauernhöfe an die Hänge gebaut und nicht ins Tal).

Ab 1817 begradigte Ingenieur Tulla (der bereits den Rhein gebändigt hatte) den Fluss. Doch nun soll er wieder in einem natürlichen Verlauf mäandern. Damals erreichte Tulla durch die Einbettung ein Ende der schlimmen Hochwässer. Leitdämme auf beiden Seiten schützen das umliegende Land. Man gewann urbares Land, die Dreisam verlief in einer geraden Linie und man baute Schwellen (siehe die Erneuerung der ‚Fischtreppe’, der historischen Schwellen bei der Schwabentorbrücke). Doch trotz der Tulla’schen Bändigung versetzten Hochwässer immer noch die Stadt in Schrecken (wie das schlimme Jahrhunderthochwasser 1896, dass die steinerne Schwabentor-Brücke wegriss). Danach wurde die heutige Eisenbrücke gebaut. Und auch heute noch sind bei Hochwasser die Uferwege gesperrt.

Die Renaturierung soll nun bei Flut dem Fluss die Möglichkeit geben sich wieder auszudehnen, die Wasserwelt kann sich erholen und bei den erschaffenen Ruheinseln Rückzugsorte bieten. Laut Expertenuntersuchungen haben die Kleinstlebetiere dies bislang noch nicht geschafft. Einzig, Erholung suchende Menschen machen es sich auf den Inseln und dem verbreiterten Dreisamlauf gemütlich.

 

SC Stadion

Wir nehmen die Brücke über die Dreisam zurück auf die Südseite: Zwischen dem SC Stadion und dem Sportverein PTSV Jahn (1923 & 1925 als Turnverein Jahn und Postsportverein gegründet, 1937 vereinigt zum ‚Postsportverein Jahn Freiburg’, ab 1950 ‚Post-, Turn- und Sportverein/PTSV Jahn Freiburg’ nach dem Alliiertenverbot) führt ein Weg zur Schwarzwaldstraße.

Am 30.Mai 1904 wurde der Sportclub / SC als Freiburger FV 04 gegründet und mit dem zwei Monate jüngeren FC Schwalbe 1912 fusioniert, die seither als SC Freiburg auftreten. 1991 kam Trainer Volker Finke, der das Team nach oben brachte (1992/93 erstmaliger Aufstieg in die Bundesliga). Der SC schwankte ständig zwischen Auf- und Abstieg. Nach 16 Jahren SC gab Finke das Ruder ab. Seit 1954 spielt der SC im Dreisamstadion (mit mehreren Namensänderungen). In einem Bürgerentscheid 2015 (58,2 %) stimmte man darüber ab, dass der SC ein modernes Stadion im Freiburger Westen beim Flugplatz erhält. Ab November 2018 baut Freiburg (mindestens 76 Millionen Euro) ein 34.700 Plätze Stadion – 10.000 Plätze mehr als bisher. Seit 2016/17 ist der SC wieder Bundesligist mit der Herrenmannschaft, auch das Damenteam ist erstklassig. Bald ist das neue Stadion bezugsfertig. Der SC möchte das Gelände an der Schwarzwaldstraße für Trainingszwecke behalten. Das Stadion besitzt ein Blockkraftwerk und Solarpaneele auf dem Dach.

 

Strandbad und Römerhof

Direkt angrenzend an das SC Stadion liegt östlich das Strandbad: Im Jahr 1934 wurde das Bad eingeweiht. Doch bald hing ein Schild dort „für Juden verboten“. Das Bad ist eines der wenigen Beispiele in der Stadt für die ‚Neue Sachlichkeit’ und ‚Neues Bauen’, architektonisch ein Leckerbissen und erhaltenswert, eines der beliebtesten Freibäder Freiburgs. Ständige Modernisierungen machen das Bad (z. B. mit Rutsche zum Planschen) noch attraktiver. 1999 wollte man die historischen Umkleidekabinen abreißen, Bürgerprotest verhinderte das. Damit ist der Umkleide- und Duschbereich seit 1934 unverändert. Die vorhin erwähnte Ringerlegende Adi Seeger ist in der warmen Zeit ständig im Strandbad zu finden. Adi Seeger spielt dort Tischtennis und einmal jährlich führt er auch ein gut besuchtes Turnier durch – zugunsten der Freiburger Kinderkrebshilfe.

Durch die Fritz Geiges Straße geht es zum Römerhof, Hansjakobstr. 99: In dem interessanten Baukomplex befindet sich die gut frequentierte ‚Internationale Schule’ der Caritas. 1925 als Gemeinschaftsanlage von Karl Schmitt erbaut wurde das vordere Gebäude lange als Gaststätte benützt. Heute können in dem denkmalgeschützten Haus Immigranten einen Hauptschulabschluss erwerben. Von dort bewegen wir uns am beliebten Gasthaus San Marino vorbei durch die Straße „Im Haltinger“ zum Laubenhof, dem Schlusspunkt unserer Wanderung.

Gerlinde Kurzbach, Autorin von "Freiburg zu Fuß", erschienen im Lavori-Verlag, Freiburg